Skip to main content

Qualität statt Clickbaiting

… fordert F.A.Z.-Herausgeber Carsten Knop in F.A.Z. MEDIA. Warum Transparenz und Verlässlichkeit gerade heute wichtige journalistische Werte sind, erklärt er in seinem Beitrag.

Menschen sind heute wissbegieriger als je zuvor. Und es gibt unendlich viele Quellen, um diesen Wissensdurst zu stillen. Die Corona-Pandemie hat dabei einmal mehr gezeigt, wie wichtig Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit des Lieferanten von Nachrichten sind. Deutlich und nachhaltig wachsende Nutzerzahlen bei FAZ.NET und Tausende neuer Abonnenten des digitalen Bezahlangebots F+ belegen die hohe Anziehungskraft der Frankfurter Allgemeinen für die Menschen in Deutschland. Warum sie dieses Vertrauen genießt, beschreibt F.A.Z.-Herausgeber Carsten Knop in seinem Artikel für F.A.Z. MEDIA, den sie auf dieser Seite lesen können.

Das gedruckte Magazin können Sie hier kostenlos bestellen oder direkt als PDF herunterladen.

Qualität statt Clickbaiting

Auch im Netz gibt es keine Freiheit ohne Vertrauen

Es wird immer schlimmer: Das Vertrauen der Menschen in die politischen und gesellschaftlichen Institutionen erodiert. Politikern, Managern, Nichtregierungsorganisationen und auch den Medien wird immer weniger ver- und vielleicht auch zugetraut. Die Mehrheit der Menschen glaubt inzwischen,
dass das aus diesen Säulen gebildete „System“ nicht mehr funktioniert. Und nicht nur Unternehmen, die besonders viel CO2 ausstoßen oder entsprechende Produkte herstellen, müssen sich vor diesem Hintergrund Sorgen darüber machen, dass ihnen irgendwann die Lizenz des gesellschaftlichen Konsens entzogen wird, auf deren Basis sie Geschäfte machen.

Zugleich haben die Menschen aber ihre Neugier nicht verloren; vielleicht sind sie sogar wissbegieriger als jemals zuvor. Und es gibt viel mehr bequeme
Möglichkeiten, diesen Wissensdurst zu befriedigen: in Podcasts, Videos, diversen alternativen Nachrichtenangeboten zu angestammten Medienmarken.
Natürlich zwingt diese Entwicklung Journalisten zu einem Spagat. Die Informationen sollen schnell zu den Lesern kommen, aber ebenso schnell wollen diese viel mehr als einfach nur eine Nachricht. Die Einordnung wiederum muss sich im Netz mit der von ausgewiesenen Fachleuten messen lassen, die sich – eben in ihrem eigenen Videokanal, Blog oder Podcast – um nichts anders kümmern, als um dieses eine Thema, das sie aus dem Effeff beherrschen. Ein „Influencer“ muss heute wahrlich kein klassischer Journalist mehr sein.

Deshalb müssen Rollen  neu definiert werden. Wer mit glaubwürdigen Informationen handelt, darf darüber die Empathie für den Leser nicht vergessen. Und wenn Familie, Freunde oder Fremde fragen, wie eine bestimmte Geschichte entstanden ist, wie viel Mühe sich die Redaktion damit gemacht hat, dann interessiert das mehr als in vielen Jahren zuvor: Transparenz und Verlässlichkeit sind die Werte, die für jeden Leser im Netz zählen. Nur so kann man Substanz von Fake News unterscheiden, die übrigens etwas anderes sind als kleine Fehler in der Berichterstattung oder Tippfehler.

Erst diese Verlässlichkeit, dieses Vertrauen in den Lieferanten „meiner“ Nachrichten und deren qualitativ hochwertiger, unabhängiger und differenzierter Einordnung ist ein Pfeiler der Freiheit, der individuellen wie auch derjenigen, die durch unsere staatliche Ordnung gewährleistet ist. Für die neue Medienwelt aber braucht es ein neues publizistisches Angebot, das leicht verständlich und bequem zu nutzen ist. Für die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist das eine Chance. In voller Unabhängigkeit von Regierungen, Parteien und Interessengruppen entsteht hier seit ihrer Gründung vor 70 Jahren viel mehr als eine Tageszeitung: In diesem Geist entstehen die besonderen Stücke, die das Blatt ausmachen, und eben auch FAZ.NET. Und mit diesen Texten ist in den vergangenen Monaten im Netz etwas passiert. Sie können nämlich nicht einerseits in der Zeitung verkauft, anderseits aber im Internet verschenkt werden. Deshalb sind immer mehr Artikel auf unserer Website mit einem kleinen roten „F+“-Logo gekennzeichnet. Es sind genau die sorgfältig recherchierten Hintergründe und Analysen, pointierten Kommentare, die opulenten Reportagen und exklusiven Meldungen, von denen hier die Rede ist.

Es sind viel mehr als nur Nachrichten, die es überall zu lesen gibt. Diese Texte liest man seither mit der „F+“-Flatrate, die zunächst nur 2,95 Euro in der Woche und damit 11,80 Euro im Monat kostet. Davon haben sich inzwischen deutlich mehr als 30 000 Leser* begeistern lassen – und gemeinsam mit ihnen machen wir eine für uns erfrischende Erfahrung: Die Leser, die bereit sind, auch in der digitalen Welt Geld für ihre verlässliche Nachrichtenquelle zu zahlen, sind mindestens so anspruchsvoll wie diejenigen, die uns schon lange auf Papier lesen. Und wenn sie enttäuscht werden, können sie daraus in einem Angebot mit täglicher Kündigungsfrist schnell ihre Konsequenzen ziehen. Aber das Gegenteil passiert.

Hier geht Qualität vor Clickbaiting: Ganz neue Leserschichten haben sich mit F+ aufgemacht, zu entdecken, was in der Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung steckt. Täglich liefern mehr als 350 fachkundige, erfahrene und meinungsstarke F.A.Z.-Redakteurinnen und -Redakteure erstklassigen Qualitätsjournalismus. Mit fast 90 Inlands-und Auslandskorrespondenten besitzt die F.A.Z. eines der größten Korrespondentennetze der Welt. Das ist das eine, aber gepaart mit der im Netz jederzeit zur Verfügung stehenden Möglichkeit, die Reaktionen der Leserinnen und Leser auf unsere Stücke in Echtzeit zu registrieren, wird daraus etwas ganz Besonders. Werden die Reaktionen der Leser beherzigt, werden alle unsere Angebote besser. Die Leser wiederum haben mehr Auswahl; sie haben mehr Freiheit. Viele nutzen sie. Auch um sich die eigene Freiheit im Kopf zu bewahren.

*Stand März 2020; im Juni 2020 lag die Zahl der Abonnenten von F+ bereits bei rund 60.000

Carsten Knop
Seit April 2020 Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen.