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Drei Fragen an ... Nadine Bös

Alle arbeiten gerade im Homeoffice, auch F.A.Z.-Redakteurin und HR-Expertin Nadine Bös. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilt sie in der ersten Folge unserer neuen Serie.

Können die digitalen Möglichkeiten im Homeoffice dauerhaft den persönlichen Austausch ersetzen? Erleben wir nach der Corona-Krise sogar einen Boom bei Mobile Working? Nadine Bös, F.A.Z.-Redakteurin und HR-Expertin, ist sich da nicht so sicher. 
 

Frau Bös, wie ist es für eine New-Work-Expertin, wenn man plötzlich selbst fast ausschließlich im Homeoffice arbeitet? Haben Sie einen Tipp, wie man am besten in Kontakt bleibt?

Das Arbeiten von den verschiedensten Orten aus bin ich in meinem Beruf gewohnt. Weil ich nicht mehr als einen Computer, Internet und Telefon brauche, ist es für mich normal, Texte mal in einer Messehalle, mal im Zug, mal im Hotel zu verfassen. Dadurch macht das Homeoffice jetzt keinen großen Unterschied. Was anders ist: Der persönliche Kontakt fehlt, es läuft jetzt viel per Telefonkonferenz oder über Chatprogramme. Die digitalen Möglichkeiten helfen enorm dabei, vernetzt zu bleiben. Die kreativen Ideen sprudeln im Moment auch über Distanz. Trotzdem wäre es natürlich schöner, man könnte manchmal einfach zusammen Kaffee trinken gehen und sich im persönlichen Gespräch austauschen.

Was sind die Do’s and Dont’s im Homeoffice? Was gilt es allgemein zu beachten? Und: Kann Homeoffice die Produktivität des Einzelnen steigern?

Das Wichtigste beim Langstrecken-Homeoffice ist aus meiner Sicht Kommunikation. Wenn man sich nur schriftlich austauscht, können manchmal Töne zwischen den Zeilen verloren gehen, deshalb finde ich es gut, ab und zu zum Telefon zu greifen. Zwischendurch Pausen zu machen, wenn die Arbeit immer sofort greifbar ist, finde ich auch eine wichtige Regel. Ganz allgemein sollte man natürlich auch darauf achten, dass sich der Arbeitsplatz zu Hause wirklich zum Arbeiten eignet, dass zum Beispiel das Licht stimmt. Und natürlich, dass man sich konzentrieren kann. Wenn, wie in der jetzigen Lage in vielen Haushalten, die Kinder zu Hause sind, kann das schwer werden. Dann helfen klare Vereinbarungen, z.B. welcher Partner wann die Betreuung übernimmt. Tatsächlich ist es möglich, im Homeoffice sehr effizient zu sein,  etwa wenn sich dort Phasen für konzentrierte Stillarbeit besser realisieren lassen, als im Büro, wo vielleicht häufiger Besprechungen stattfinden oder immer wieder Kollegen in der Tür stehen.

Werden wir nach der aktuellen Krise, bei der viele zum ersten Mal länger von zu Hause aus arbeiten, einen Boom bei Homeoffice und Mobile Working erleben?

Da sind sich selbst Fachleute noch nicht sicher. Vor kurzem habe ich mit der Wissenschaftlerin Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation über genau diese Frage gesprochen. Sie hat zwar klar gesagt, dass Corona die Erkenntnis schaffen wird, dass viele Tätigkeiten des normalen "Büroarbeiters" auch von anderen Orten als dem gewohnten Büro aus machbar sind. Schließlich wäre die Alternative ein Totalausfall. Und sie sagte, natürlich werde es schwer werden, in Zeiten nach der Pandemie zu argumentieren, warum mobiles Arbeiten auf einmal nicht mehr gehen soll. Trotzdem weist sie auf Forschung zum so genannten Telekommunikations-Paradoxon hin und die sagt: Es könnte auch passieren, dass wir nach Corona zwar mehr digital kommunizieren, über mehr Chat-Kanäle vernetzt sind etc – und trotzdem oder gerade deshalb auch noch häufiger das Bedürfnis verspüren, uns von Angesicht zu Angesicht zu treffen.

 

Nadine Bös

F.A.Z.-Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“

Ob New Work, Digitalisierung und KI in der Arbeitswelt oder agiles Arbeiten: in den Medien der Frankfurter Allgemeinen informieren sich die Leistungsträger über aktuelle Entwicklungen und alles, was sie weiterbringt. Deshalb nutzen Werbungtreibende Umfelder und Expertise, um sich als Top-Arbeitgeber zu präsentieren oder ihre führende Rolle in diesem Bereich zu zeigen.

Ein Beispiel dafür ist die crossmediale Standortkampagne zum Thema New Work, die F.A.Z. Media Solutions für den Freistaat Sachsen entwickelt hat.

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